
"Die Fußballbegeisterung in Deutschland ist ungebrochen. Trotzdem stehen der Amateurfußball und seine Vereine vor großen Herausforderungen. Demografischer Wandel, finanzielle Sorgen, Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Mitarbeiter und die Entwicklung hin zur Eventgesellschaft - darauf müssen wir gemeinsam mit den Vereinen Antworten finden und neue Konzepte entwickeln. Deshalb ist es gut, dass der Amateurfußball-Kongress genau diese Themenbereiche aufgreift. Ich erhoffe mir auch ein klares Signal, welche Kraft und welches Potenzial der Amateurfußball besitzt. Die Botschaft lautet: Pro Amateurfußball!", erklärt BFV-Präsident Dr. Rainer Koch vor dem am kommenden Donnerstag, den 23. Februar startenden dreitägigen Amateurfußball-Kongress in Kassel.
Insgesamt rund 300 Teilnehmer aus ganz Deutschland - Vereins- und Verbandsvertreter, Fachleute aus unterschiedlichen Spezialgebieten und internationale Gäste - treffen aufeinander, um Handlungsempfehlungen für die Vereinsarbeit zu erarbeiten, die 2013 in einen langfristigen Fußball-Entwicklungsplan münden sollen. Der 12-köpfigen bayerischen Delegation gehören ganz bewusst neben hochrangigen Verbandsvertretern auch Menschen an, deren tägliches Brot die Arbeit an der Fußballbasis ist.
Geballtes Know-how aus Bayern - Vereinsvertreter(innen) haben klare Erwartungen
Inge Pirner zum Beispiel. Sie ist die Vorsitzende des TSV 1899 Röthenbach/Pegnitz, seit 14 Jahren eine der Triebfedern des Vereins und sie weiß um die Sorgen und Nöten der Klubs. "Die Probleme der Vereine sind vielfältig und zum Teil existenzbedrohend. Fußball wird von vielen als Bezahlsport gesehen, wir spielen aber Fußball des Fußballs wegen. Zudem entstehen im Umkreis immer mehr Hobbyligen ohne jegliche Vereinsbindung. Bei der Jugend konkurrieren wir mit anderen Sportarten, nicht zuletzt auch mit Social Media und Kindern, die sich schlichtweg nicht mehr für Sport und Bewegung begeistern. Welche Eltern haben heute noch Zeit, sich intensiv um ihre Kinder und Sport im Verein zu kümmern, wer ist noch bereit, sich viele Stunden ehrenamtlich im Verein zu engagieren, damit der Verein weiter bestehen kann? Da erhoffe ich mir unendlich viel vom Amateurfußball-Kongress und den Gesprächsrunden. Natürlich erhoffe ich mir Konzepte und Ideen. Da müssen sich auch die Vereine gegenseitig befruchten. Und ich sehe den Kongress auch als Chance, den DFB für die Probleme der Vereine zu sensibilisieren. Natürlich versuchen wir auch als Verein auf lokalpolitischer Ebene die Probleme anzusprechen und Multiplikatoren für unsere Sache zu finden, aber der DFB hat auf politischer Ebene ein ganz anderes Gewicht und manche Probleme lassen sich meiner Meinung nach nur auf politischer und gesellschaftlicher Ebene lösen."
Christian Engl möchte einfach für seine Vereine da sein und Lösungen anbieten. Der Kreisspielleiter im Kreis Straubing will dafür auch vom Wissen anderer profitieren. "Wir sind im Kreis Straubing konfrontiert mit den vielschichtigen Problemen der kleinen Vereine. Und die wollen wir natürlich lösen. Dafür braucht es Lösungen, die aber auch umsetzbar sind. Mich interessiert deshalb zum einen, wie es im Rest von Deutschland aussieht, ob die Probleme in allen anderen Regionen ähnlich sind wie bei uns und zum anderen, ob es bereits entsprechend funktionierende Lösungen gibt. Ich möchte den Vereinen konkrete Hilfe anbieten und bin deshalb besonders auf den Schwerpunkt "Verbände als Dienstleister" gespannt. Hier erhoffe ich mir Konzepte, die bei der Arbeit an der Basis wirklich helfen und die ich dann entsprechend in konkrete Hilfe bei uns vor Ort umwandeln kann."
Josef Perzl, Fußball-Abteilungsleiter beim TSV Vilsbiburg wünscht sich einen besonders großen Impuls von der Bündelung der Interessen und möchte dann gemeinsam mit den Vereinen und Verbänden der Politik die Stirn bieten. "Alle Schwerpunkte des Kongresses sind natürlich interessant und haben ihre Berechtigung. Besonders wichtig finde ich natürlich den Punkt ,Finanzen'. Bis auf wenige Ausnahmen haben hier alle Vereine schwer zu kämpfen. Wir wissen alle, dass das Feld Sponsoring weitgehend abgegrast ist und Beitragserhöhungen auch nicht das alleinige Allheilmittel sein können. Hier sehe ich die Politik in der Pflicht! Statt die Förderungen immer weiter zu kürzen, sollte sie die Vereinsarbeit unterstützen. Zum Beispiel durch sinnvolle steuerrechtliche Vergünstigungen. Und ich würde mir wünschen, dass hier durch eine gemeinsame Position des Amateurfußballs was bewegt werden kann."
Sich gegenseitig mit Ideen für die Vereinsarbeit zu ergänzen verspricht sich Andrea Sailer, die Vorsitzende des SV Aislingen, vom Kongress. "Ich erwarte mir Impulse für meine Tätigkeit als Vorsitzende eines kleinen Dorfvereins und einen Austausch mit anderen Vereinsvertretern. Da wir ein total ehrenamtlich geführter Verein sind, ist für mich natürlich auch das Thema Ehrenamt ganz besonders interessant. Wie gewinne ich neue Ehrenamtler, wo bekomme ich als Verein Unterstützung? Das sind Fragen, die wir uns wie viele andere Vereine auch stellen. Im Gegenzug möchte ich natürlich auch unsere Konzepte und unsere Arbeit vorstellen. Ohne unseren Förderverein könnten wir schon lange nicht mehr unsere Eigenständigkeit aufrechterhalten und ich denke, dass ich auch wichtige Erfahrungswerte einbringen kann. Wir haben beispielsweise ein eigenes Ausstattungskonzept entwickelt. Das heißt: Eltern können für ihre Kinder aus einem festgelegten Katalog zu Sonderkonditionen vereinsgebrandete Anziehsachen wie zum Beispiel Kapuzenpullis kaufen. Das kam super an und war für die Außendarstellung des Vereins eine tolle Sache. Man hat den Kindern in der Schule angesehen, zu welchem Verein sie gehören. Dieses Konzept haben jetzt auch andere Vereine in der Region übernommen. Und unser neuestes Projekt ist, dass wir als Verein einen Stand bei einer Landkreisausstellung gemietet haben, um uns und unsere Sponsoren zu präsentieren. Da muss man mal sehen, welchen Effekt das hat. Aber wir sind immer auf der Suche nach guten Ideen und Konzepten und da erhoffe ich mir natürlich viel vom Amateurfußball-Kongress 2012."
Die Erwartungen und Ansprüche sind zwar unterschiedlich aber durchweg hoch. "Wenn ich von vornherein mit der Meinung nach Kassel fahren würde, dass das Ganze nichts bringt, könnte ich auch zuhause bleiben. Dafür wäre mir die Zeit zu schade", stellt Inge Pirner klar und ergänzt: "Und nach den drei Tagen darf nicht Schluss sein. Dann fängt die Arbeit erst richtig an, aber da wurde vom Bayerischen Fußball-Verband ja schon klar gesagt, dass die Impulse aus Kassel entsprechend weiterverarbeitet werden und direkt in die Verbandsarbeit einfließen. Alles andere würde auch keinen Sinn machen."
Fünf Schwerpunkte für die Amateurfußball-Zukunft
Unter dem Motto "Verein(t) in die Zukunft!" beschäftigen sich die Inputreferate der Fachleute, die Gesprächsrunden und Arbeitsgruppen mit folgenden fünf Schwerpunkten:
- Die Marke Amateurfußball: Wahrnehmung - Darstellung - Entwicklung
- Mehrwert Ehrenamt: Tradition - Perspektiven - Initiativen
- Wohin geht die Reise? Impulse für Fußball-Entwicklung.
- Ohne Moos nichts los - Amateurfußball & Finanzen
- Wozu werden Sie gebraucht? Verbände als Dienstleister.
Das komplette Programm ist unten als PDF angehängt.
Die bayerische Delegation in Kassel:
Dr. Rainer Koch - BFV-Präsident, DFB-Vizepräsident
Jürgen Igelspacher - BFV-Geschäftsführer
Josef Janker - BFV-Verbands-Spielleiter, Beauftragter Fußballentwicklung
Inge Pirner - Vorsitzende des TSV Röthenbach/Pegnitz
Andrea Sailer - Vorsitzende SV Aislingen
Christian Engl - Kreisspielleiter Straubing
Günther Lommer - BFV-Vizepräsident, BLSV-Präsident
Karl-Heinz-Wilhelm - Verbands-Jugendleiter
Christina Schellenberg - Vorsitzende des Verbands-Frauen- und Mädchen-Ausschusses
Horst Winkler - Bezirksvorsitzender Oberbayern
Walter Moritz - Mitglied des BFV-Schiedsrichter-Lehrstabs
Josef Perzl - Fußball-Abteilungsleiter TSV Vilsbiburg
Stand: 20.02.2012 | PDF (80 kB)













